STRICKEN - boah was hab ich mich als Kind in der Schule schwer getan....
Kaum hat mir die Lehrerin ein paar Machen aufgenommen, waren sie auch schon wieder runter von der Nadel. Ich fand stricken in der Schule genauso grauenhaft wie häkeln.
Auch meine Mama, die ich eigentlich während meiner Kindheit nie ohne Strickzeug in den Händne gesehen hab, konnte mir das nicht wirklich vermitteln.
Sie hat mir damals mal versucht, einen kraus rechts Schal zu zeigen, den ich dann beenden sollte (so lang wie ich ihn haben wollte). Aber ihr Teil, welchen sie genadelt hatte, war gleichmässig und hatte immer genau die gleiche Maschenanzahl. Nur irgendwie wurden es bei mir immer mehr und so sah der "Schal" dann eher wie ein halbes Dreieck aus.

Seit diesem misslungenen Versuch wollte ich eigentlich nie wieder Wolle anfassen, geschweige denn damit mal was fabrizieren.
Aber als ich mit meinem Großen schwanger war, hab ich dann in Muttern Wollkorb eine Häkelnadel und ein riesen Knäul blaue Wolle gefunden und habe dann, als die Wehen anfingen, nen Schal gehäkelt. Keine Ahnung wie lang das Teil wurde (hab nie gemessen). Ich weiss nur, das ich es nie aus der Wohnung meiner Eltern mitgenommen habe und hab auch keine Ahnung, ob es noch existiert (wie ich meine Mama kenne hat sie den Schal aufgehoben).
1999 verstarb ohne Vorwarnung mein Vater und ich hab sehr dran zu knabbern gehabt. ABer auch da konnte ich mich nicht wirklich mit Wolle und dergleichen ablenken.
Erst als ich zur Mutter-Kind-Kur war, habe ich dann Stricknadeln und Wolle in die Hand genommen. Auf anraten der Psychologin, die meinte, ich müsse etwas machen, wo ich mit meinen Gedanken ganz allein bin und ich auch mal Kraft daraus schöpfen könne. Auch solle mir ein ruhiges Hobby helfen, den Tod meines Vaters zu verkraften und diesen zu verarbeiten.
Das stricken und mittlerweile auch das Häkeln sowie Filethäkeln hilft mir und hat mir geholfen, mich mit dem ganzen Drumherum um den Tod auseinander zu setzen. Ich konnte in ruhigen Minuten viel einfacher und auch besser verstehen, was passiert war und warum.
Auch wusste ich, das sich mein Papa sehr gefreut hätte, wenn ich ihm meinen ersten selbst gestrickten Schal hätte zeigen können.

Heute ist das Stricken meine kleine eigene Ruheoase. Sobald ich mit den alltäglichen Dingen wie Hausarbeit, Einkaufen etc fertig bin, sitze ich mit Stricknadeln und Wolle auf dem Sofa und "versinke" einfach in meine Gedanken und nebenher entstehen dann Socken, Schal oder auch Tücher (leider krieg ich es nicht hin, englische Anleitungen zu verstehen oder gar zu übersetzen). Die englischen Tücher haben es mir angetan, da diese grösstenteils tolle Muster haben und so richtig klasse gross sind, das man sich richtig in die Tücher kuscheln kann.

Liebe Grüsse
Carmen (18.09.2006)